Malerin und Filmemacherin Barbara Loftus
2026 – Wiederbegegnung mit Barbara Loftus
Bereits vor über zehn Jahren wurde die Arbeit von Barbara Loftus auf dieser Website vorgestellt. Schon damals zeigte sich, dass ihr künstlerischer Zugang weit über ein einzelnes Projekt hinausweist und grundlegende Fragen biografischer Erinnerung berührt.
Im Frühjahr 2026 ist ihr Werk erneut in einer Ausstellung zu erleben, die vom Stadtmuseum Berlin initiiert wurde und im Haus am Lützowplatz gezeigt wird. Unter dem Titel „Eine Enterbung“ wird die Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte ihrer Mutter Hildegard Basch in verdichteter Form weitergeführt. Im Zentrum steht das Schicksal der Mutter, die als junge Frau nach Großbritannien fliehen konnte, während ihre Eltern und ihr Bruder 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Über Jahrzehnte hinweg blieb diese Geschichte unausgesprochen. Für die Tochter war Auschwitz zunächst nicht mehr als ein Wort – ohne greifbare Wirklichkeit. Erst im hohen Alter öffnete sich die Mutter und begann, ihre Erinnerungen zu teilen.
Diese späte Öffnung wurde für Barbara Loftus zum Ausgangspunkt einer intensiven künstlerischen Spurensuche. Seit den 1990er Jahren verbindet sie Malerei, Film und historische Recherche zu einer vielschichtigen Form der Annäherung an das Vergangene. Ihre Arbeiten lassen sich als visuelle Erinnerungsräume verstehen, in denen das Fragmentarische, das Verlorene und das lange Verschwiegene sichtbar wird. Diese Arbeitsweise ist eng mit einem persönlichen Anliegen verbunden:
„Ich gebe den Ereignissen, die meiner Geburt vorausgingen, mithilfe des Mediums, in dem ich arbeite, eine Form. Das ist meine Art, mein Erbe greifbar zu machen. Meine visuellen ‚Wiederaufführungen‘ drehen sich um Episoden aus dem früheren Leben meiner Mutter und um ihre Identität als deutsche Jüdin, die am Anfang des sogenannten ‚Dritten Reiches‘ erwachsen wurde.“
In der aktuellen Ausstellung wird zudem der Film „Über das Land und das Wasser: Die zwei Reisen der Familie Basch“ gezeigt, der die Geschichte der Familie auf eindringliche Weise filmisch nachzeichnet und eine weitere Ebene der Annäherung eröffnet. Zugleich wird die biografische Geschichte konkret im Stadtraum verortet – unter anderem in Berlin-Schöneberg, wo die Familie einst lebte. Auch der Ausstellungsort selbst trägt historische Spuren und verstärkt die Verbindung zwischen persönlicher Geschichte und gesellschaftlichem Kontext.
Eindrücke – Werk und Erinnerung im Zeitbogen
Anbei ein weiteres Werk von Barbara Loftus. Bereits Jahre zuvor - im Sommer 2014 - konnte dieses Bild in ihrem Atelier in England in einer frühen Entstehungsphase gesehen werden – ein Eindruck, der sich im Rückblick mit der heutigen Ausstellung verbindet.
Dieses Wiedersehen mit einem Werk, das über Jahre hinweg gewachsen ist, macht die besondere Zeit-Dimension ihrer Arbeit sichtbar. Bilder entstehen hier nicht nur als künstlerische Objekte, sondern als Prozesse – als Annäherungen an eine Geschichte, die lange keinen Ausdruck finden konnte.
Die Arbeiten von Barbara Loftus verdeutlichen in besonderer Weise, dass biografische Prozesse nicht allein im Erzählen stattfinden. Gerade dort, wo Erinnerungen lange verschlossen bleiben oder sprachlich schwer zugänglich sind, eröffnen künstlerische Ausdrucksformen neue Zugänge.
Musisch-kreative Biografiearbeit kann solche Prozesse unterstützen, indem sie Räume schafft, in denen Erfahrungen sichtbar, hörbar oder gestaltbar werden. Auf diese Weise wird Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern auch neu erfahrbar. Bildunterschrift: Barbara Loftus vor einem Werk, in dem sie sich selbst in die Geschichte ihrer Mutter einschreibt: ein künstlerischer Versuch, Verlorenes nach Berlin zurückzuholen. Fotos: © EH
Bereits hier veröffentlichte Beiträge dokumentieren frühere Annäherungen an das bisherige Gesamtwerk von Barbara Loftus und bleibt so in seiner ursprünglichen Form erhalten. Lesen Sie bitte weiter unter der Rubrik "Frühere Annäherungen" ( Beiträge und Zusammenhänge ...)